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Lesenswertes

An dieser Stelle möchten wir auf interessante Literatur hinweisen. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei den Lesetipps von Kollegen*innen rund um das Thema Pflege und älter werden.

Ambulanter Pflegedienst
Dieter Rosner Leiter Seniorenamt

Lesenswert

Ferdinand von Schirach, Alexander Kluge
Trotzdem

Zwei Männer, der Filmemacher, Jurist und Autor Alexander Kluge und der Schriftsteller, Strafverteidiger und Dramatiker Ferdinand von Schirach treffen sich per “Nachrichtenaustausch-Dienst” im Internet, diskutieren die Frage „Wie wirkt sich das coronabedingte Runterfahren unserer Gesellschaft auf unsere Grundrechte aus?“ und machen ein Buch daraus. „Muss das sein,“ könnte eine berechtigte Frage lauten „dass zwei Männer mal wieder die Welt erklären?“
Ich finde, ja, denn es lohnt sich. Der Dialog ist anregend und lesenswert, geht er doch der Frage nach, was die Corona-Pandemie für unsere Gesellschaftsordnung und unsere bürgerliche Freiheit bedeutet. Die Antwort ist durchaus ambivalent, da beides möglich ist, das Gute und das Schreckliche. Da ist es auch zu verschmerzen, dass sich die Unterhaltung mitunter zu einer spröden Geschichtsstunde über die Grundrechte entwickelt und wenig Persönliches in den Austausch einfließt. Aber die Botschaft, die das Buch transportiert, ist wichtig: Bleiben wir zuversichtlich aber wachsam. Denn es könnte alles auch ganz anders kommen.
„Niemand hätte sich vor zwei Monaten vorstellen können, dass wir diesen Ausnahmezustand erleben. Es wird heute von manchen behauptet, das sei die Zeit der Exekutive. Aber das ist falsch. Wir leben in Demokratien, wir haben eine Gewaltenteilung. Noch immer muss das Parlament entscheiden, und daran darf sich auch nichts ändern. Noch scheint unsere Demokratie nicht gefährdet. Aber die Dinge können kippen. Autoritäre Strukturen können sich verfestigen, die Menschen gewöhnen sich daran. Erosionen sind langsame Abtragungen, keine plötzlichen Ereignisse.“
An dieser Stelle noch ein Satz zur Situation von älteren Menschen in der Krise (die in der Publikation nicht wirklich im Vordergrund steht). Eine große Herausforderung stellt meines Erachtens aktuell eine mangelnde Differenzierung dar: alle über 60 Jahre wurden/werden quasi zur Risikogruppe erklärt und sollen so viel wie möglich zu Hause bleiben. Damit verbunden war/ist ein Zurückdrängen positiver Altersbilder (aktiv, selbstbestimmt, ressourcenorientiert), teilweise zugunsten paternalistischer Bevormundung in der Krise (vulnerable Gruppe sind auf besonderen Schutz angewiesen; Aktivitäten werden zum eigenen Schutz verboten). Es wird immer noch mehr über die älteren Menschen geredet als mit ihnen. Insgesamt ist die Debatte über und (leider zu selten) mit den Älteren und der Umgang mit ihnen eine Gratwanderung zwischen Fürsorge und Bevormundung. Deshalb bräuchte es eine intensivere öffentliche Auseinandersetzung darüber, wie einer zunehmenden Vereinsamung mit all deren negativen Folgen und einer Verschlechterung des physischen und kognitiven Gesundheitszustandes von Älteren entgegenzuwirken ist und wie eine gute Versorgung in Zeiten von Corona sichergestellt werden kann.

Von Ferdinand von Schirach und Alexander Kluge
Titel “Trotzdem”
Verlag Luchterhand Verlag
Erscheinungsjahr 2020
ISBN 978-3630876580
Seiten 80 Seiten
Preis 6,99 Euro (ebook) 8,00 Euro (gebunden)

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